NEW WORK
10 THESEN UND 10 IMPULSE FÜR DIE ZUKUNFT
Blogbeitrag Jan Teunen und Christoph Quarch

Die Zukunft des Büros liegt in der Vergangenheit - zumindest teilweise

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Jan Teunen
christoph quarch
Christoph Quarch

In der modernen Welt ist Büroarbeit die eigentliche gesellschaftliche Tätigkeit. Weil dies so ist, ist das Büro ein Steuerungsinstrument, das großen Einfluss auf Veränderungen in der Welt hat. Damit diese Veränderungen positiv sind, sollten Büros – egal, ob es sich dabei um ein Firmenbüro, ein Homeoffice oder ein Büro an irgendeinem Ort handelt – so eingerichtet sein, dass die individuellen Bedürfnisse des Menschen – wie Austausch, Beschäftigung oder Ruhepausen – befriedigt werden und dass es den Menschen im Arbeitsprozess gut geht.

Büroeinrichtungen richten sich häufig immer noch nach rein wirtschaftlichen Aspekten, was sich zunehmend als kontraproduktiv erweist. Räume, in denen wirtschaftliche Rationalität dominiert, fördern Neurosen, weil der Mensch eine kulturelle Umgebung braucht.

Das kann so weit gehen, dass Büros zu Räumen des Leidens mutieren und die Menschen apathisch werden. Psychische Erkrankungen, Depressionen, Burn-out, Angstzustände, Trauer und Wut sind dann oft die Folgen. Büroräume der modernen Arbeitswelt verhindern oftmals Schöpfergeist und Kreativität. Das schadet langfristig nicht nur den Menschen, die sich in den „toten“ Räumen plagen, sondern auch den Unternehmen und implizit auch der Volkswirtschaft.

Büroeinrichtungen sollten also neu „gedacht“ werden. Transformation tut not, aber auch die Verbindung zur Vergangenheit ist wichtig. Das Neue kann nur wachsen, wenn seine Wurzeln tief in die kulturelle Vergangenheit hineinreichen – bis zum Ursprung des Büros in Klostern: Hier wurde kostbares Wissen geschützt.

Der Philosoph Christoph Quarch und der „Cultural Capital Producer“ Jan Teunen unterstützen Führungskräfte dabei, diese Verbindung aufzufrischen. Ihre Bücher „Wo die Seele singt – Über Kunst in Unternehmen“ und „Officina Humana – Das Büro als Lebensraum für Potenzialentfaltung“ präsentieren Konzepte positiver Unternehmenskultur, die das Gleichgewicht zwischen ethischer Verantwortung und wirtschaftlichem Erfolg herstellen. Für unseren Blog haben sie uns eine Essenz in Form von 10 Thesen und 10 Impulsen zur Verfügung gestellt.
Bei der Lektüre der Thesen und Impulse wünscht Ihnen das gesamte BLAHA-Team viel Vergnügen!

NEW WORK - aber richtig! 10 Thesen

These 1

Die Büroarbeit steckt in einer fundamentalen Krise.

These 2

Allenthalben tönt der Ruf nach Wandel und Veränderung. New Work heißt das Gebot der Stunde, doch was New Work eigentlich ist, weiß niemand ganz genau.

These 3

New Work bedeutet meistens ein Bündel von Maßnahmen zur Steigerung der Funktionalität, Effizienz und Produktivität von Unternehmen und Organisationen mithilfe von innovativen digitalen Technologien und dazu passenden Managementtools sowie Regsamkeit, flache Hierarchien und kurze Entscheidungswege. Zugleich ist New Work der Versuch, das Lebensgefühl einer neuen, krisengebeutelten Generation in den Arbeitsprozess zu überführen. Bisher konnte New Work aber nur eine oberflächliche Lösung für eine ernste Krise bieten: die Krise des Menschen.

These 4

Die Krise der Büroarbeit beruht nicht auf einem Mangel an Funktionalität und Effizienz. Das wirkliche Problem ist ein Mangel an Menschlichkeit: an allem, was genuin menschlich ist und nicht durch beschleunigte, automatisierte oder digitalisierte Prozesse optimiert oder gar substituiert werden kann.

These 5

Den Arbeitsprozessen fehlt es an Sinnstiftung und Sinnerfahrung. Es fehlt an Schöpfertum und Leidenschaft. Es fehlt an Geist und Begeisterung. Es fehlt an dem, was Menschen in der Tiefe ihrer Seele oder ihres Herzens brauchen. Es fehlt an Poesie und Schönheit in der Arbeitsumgebung. Es fehlt an Verbundenheit und Verbindlichkeit im Umgang miteinander.

These 6

Die meisten Büros gleichen Wüsten, die den Menschen schwächen und entkräften und die weit davon entfernt sind, Energie zu schenken und zu begeistern. Die meisten Büroräume unserer modernen Arbeitswelt sind ausschließlich nach funktionalen Kriterien gestaltet und widerspiegeln die Allgegenwart von „rational fools“ (Amartya Sen). In solche Büros können sich weder Kreativität noch Kooperation entfalten. Das führt zu einer Minderung der Lebensqualität, zu enormen Reibungsverlusten in Gesellschaft und Unternehmen sowie langfristig zu immensen ökonomischen Folgeschäden.

These 7

Wer in einer Krise feststeckt, kann weder weitermachen wie bisher noch die Zeit zurückdrehen. Krisen sind Gelegenheiten für Aufbruch, Innovation und Transformation, ggf. auch für Brüche.

These 8

Transformation braucht ein langes Gedächtnis. Zukunft öffnet sich nur denen, deren Wurzeln tief in die Vergangenheit reichen. Die Innovation der Büroarbeit wird nur dann gelingen, wenn man sich der ursprünglichen Idee des Büros erinnert.

These 9

Das Kostbare im Büro von heute ist der Mensch mit seinen vielfältigen Fähigkeiten und Potenzialen. Diese Fähigkeiten sich entfalten und erblühen zu lassen ist die zentrale Aufgabe des Büros. Büros sollten Gewächshäuser menschlicher Potenzialentfaltung sein.

These 10

Menschen sind mehrdimensionale Wesen: Ihr Leben entwickelt sich in den Dimensionen Leib, Ich, Seele und Geist. Im Büro braucht der Leib eine stimmige physische Ergonomie, das Ich Freiheit und Geborgenheit, die Seele Schönheit und der Geist Sinn. In den meisten Büros werden die Dimensionen von Seele und Geist sträflich vernachlässigt oder ignoriert.

NEW WORK - aber richtig! 10 Impulse

Wer in einer Krise feststeckt, kann nicht weitermachen wie bisher, er kann aber auch nicht zurück über den Weg, über den er gekommen ist. Aus einer Krise muss man heraus, und das gelingt am besten mittels Transformation. Es ist die Aufgabe von Führungskräften, ihre Unternehmen und Organisationen zu erneuern. Mit den nachfolgenden Impulsen möchten wir Orientierung geben und inspirieren, ohne belehrend zu sein.

Impuls 1

Ändern Sie Ihr Mindset: Verabschieden Sie sich von der Dominanz des Pragmatischen. Betrachten Sie Schönheit und Sinn nicht als ein „Nice-to-have“, dem man sich zuwenden kann, wenn alle ökonomischen Hausarbeiten erledigt sind, sondern als ein „Must-be“ für den ökonomischen und menschlichen Aufschwung des Unternehmens.

Impuls 2

Haben Sie Mut zur Transformation: Wagen Sie es, neue Wege zu beschreiten, und lassen Sie sich von den Herausforderungen der Zeit zu Innovation und Disruption inspirieren: von den Herausforderungen des technologischen Wandels ebenso wie jenen des demographischen Wandels, vom Klimawandel genauso wie vom gesellschaftlichen Wandel. Erweitern Sie Ihren Horizont und entwickeln Sie ein planetarisches Bewusstsein!

Impuls 3

Öffnen Sie sich für die Realität des Lebens: Es ist nicht die Realität einer rein funktionalen Rationalität. Unterbieten Sie die Wirklichkeit der Welt nicht und ignorieren Sie nicht ihre Komplexität.

Impuls 4

Lassen Sie sich von den Verheißungen und Versprechungen der Künstlichen Intelligenz nicht dazu verleiten, Innovation und Transformation lediglich unter technischen und funktionalen Gesichtspunkten zu betreiben. Denken Sie daran: Der Mensch bleibt unersetzlich.

Impuls 5

Ignorieren Sie nicht fahrlässig die Wirklichkeit des Menschseins.

Impuls 6

Denken Sie um: Verstehen Sie ein Unternehmen nicht länger nur als Maschine, die möglichst effizient einen möglichst hohen Ertrag erwirtschaften muss, sondern auch als einen Garten, in dem nachhaltiges Wachstum, menschliches Miteinander und Schönheit maßgeblich sind.

Impuls 7

Ändern Sie Ihr Führungsverständnis: Führung erfordert mehr als die instrumentelle Rationalität des Managements. Führung erfordert Weisheit. Weisheit ist der stimmige Zusammenklang von Sozialität, Emotionalität und Rationalität.

Impuls 8

Stärken Sie ihre Mitarbeiter*innen, indem Sie dafür Sorge tragen, dass sie – sei es im Home Office, sei es in den Geschäftsräumen – in einem Umfeld arbeiten, das sie als eine zweite Natur anspricht; ein Umfeld, das sowohl eine poetische als auch eine funktionale Beziehung zulässt.

Impuls 9

Schulen Sie Ihr Gedächtnis und vergegenwärtigen Sie sich das Ursprüngliche: Die Herkunft der Ökonomie liegt im antiken Griechenland. Die antike Ökonomie interpretierte das Wirtschaften als eine Kunst der guten Haushaltsführung, bei der es die fünf Wirkungselemente des geordneten Hauses zu beachten galt, die für ein gutes Leben bürgten: Wirtschaftlichkeit, Schutz, Zusammengehörigkeit, Kulturpflege und Identitätsstiftung. Diese Grundpfeiler gelten auch für die Unternehmen von heute.

Impuls 10

Schärfen Sie die Identität und Integrität des Unternehmens, indem Sie konsequent auf die Übereinstimmung von Gedanken, Worten, Taten und Dingen achten. In einer Arbeitsumgebung, die zunehmend durch Volatilität, Ungewissheit, Mehrdeutigkeit und Komplexität geprägt ist, bilden Identität und Integrität das Rückgrat von Unternehmen und garantieren seine Erkennbarkeit und Attraktivität.

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